Evangelische Kirche verabschiedet Birgit Schlegel in den Ruhestand

veröffentlicht 27.02.2026 von Dekanat Dreieich Rodgau, Ev. Johannesgemeinde Neu-Isenburg

Vertraute Gesichter, herzliche Begrüßungen im Kirchenschiff, immer wieder ein Lächeln, das länger dauert als sonst: In der Langener Stadtkirche hat das Evangelische Dekanat Dreieich-Rodgau Pfarrerin Birgit Schlegel am Sonntag in den Ruhestand verabschiedet. Die stellvertretende Dekanin wurde offiziell vom Starkenburger Propst Stephan Arras entpflichtet – und mit guten Wünschen auf dem allerersten Stück ihres neuen Wegs begleitet. 

Vertraute Gesichter, herzliche Begrüßungen im Kirchenschiff, immer wieder ein Lächeln, das länger dauert als sonst: In der Langener Stadtkirche hat das Evangelische Dekanat Dreieich-Rodgau Pfarrerin Birgit Schlegel am Sonntag in den Ruhestand verabschiedet. Die stellvertretende Dekanin wurde offiziell vom Starkenburger Propst Stephan Arras entpflichtet – und mit guten Wünschen auf dem allerersten Stück ihres neuen Wegs begleitet. 

Im Zentrum des Gottesdienstes stand ein letztes Mal im aktiven Pfarrdienst ihre Predigt über die Versuchung Jesu in der Wüste, wie sie das vierte Kapitel des Matthäus-Evangeliums beschreibt. Schlegel näherte sich dem „Teufel“ alltagsnah – nicht als gehörntes Fabelwesen, sondern als Bild für Verlockungen, für schnelle und zu einfache Lösungen, für die Versuchung, Macht einfach zu nutzen.

Jesus werde nach 40 Tagen Fasten in einem Moment der Schwäche mit großen Versprechen konfrontiert: Hunger beenden, Einfluss sichern, Macht gewinnen. Doch er entziehe sich dieser Logik. Er wolle Menschen nicht mit „Brot und Spielen“ gewinnen, sondern sie zu Selbstverantwortung ermutigen.

Ein Leben, das mehr sei als bloßes Überleben, brauche auch mehr als materielle Absicherung, so Schlegel. Bildung, Arbeit, Schutz, Frieden, Geschwisterlichkeit, Achtung und Solidarität zählte sie auf – und bündelte es in einem Begriff: Menschenwürde. Gottes Macht beschrieb sie mit Worten der US-Theologin Carter Heyward als „Macht in Beziehung“. Sie werde dort wirksam, wo Menschen Gerechtigkeit suchen, Liebe üben und Frieden schaffen. Mit Blick auf gesellschaftliche und kirchliche Umbrüche sagte sie: „Hier betreten wir Neuland.“ Neuland könne verunsichern. Entscheidend sei, genau hinzuschauen, wo Neues bereits wachse – und darauf zu vertrauen, dass Gott mitgehe.

Stationen eines langen Weges

Propst Stephan Arras entpflichtete die Theologin von den Aufgaben des Pfarrdienstes und erinnerte an die wichtigsten Stationen ihres beruflichen Weges: aufgewachsen in Frankfurt am Main, Theologiestudium in Erlangen und Heidelberg, wissenschaftliche Arbeit zu alten Sprachen und dem Christlichen Osten, Vikariat in Kriftel, Ordination 2003 in Nauheim. Fast zehn Jahre wirkte sie dort als Pfarrerin, anschließend als Dekanin im Dekanat Groß-Gerau und im später fusionierten Dekanat Groß-Gerau–Rüsselsheim.

Seit 2022 war sie stellvertretende Dekanin im Evangelischen Dekanat Dreieich-Rodgau. Zu ihren Aufgaben gehörten die Begleitung der Evangelischen Familienbildung, des Gemeindepädagogischen Teams sowie der Lektoren und Prädikantinnen im ehrenamtlichen Verkündigungsdienst. „Jetzt gilt es, den Übergang in den Ruhestand zu vollziehen“, sagte Arras. Bei Birgit Schlegel werde es vermutlich „weder viel Ruhe noch viel Stand“ geben, zumindest keinen Stillstand. Der Propst für Starkenburg griff in seiner Ansprache auch ein Wort des Propheten Jesaja auf und brachte es auf eine einfache Formel: Zum Pfarrdienst gehörten als essenzielle Aufgaben „das Reden und das Hören“. Gottes Wort hören und weitersagen – und zugleich aufmerksam sein für das, was Menschen bewegt.

Worte könnten trösten, klären, ermutigen – sie könnten aber auch verletzen oder verkürzen. Gerade in kirchlichen Veränderungsprozessen und gesellschaftlichen Spannungen komme es auf sorgfältige Sprache und genaues Hinhören an. Reden heiße nicht nur, Position zu beziehen, sondern Verantwortung für das eigene Wort zu übernehmen. Hören bedeute, Menschen wirklich wahrzunehmen, auch Zwischentöne und Unsicherheiten. Birgit Schlegel habe diese doppelte Bewegung ernst genommen, so Arras: deutlich im Wort, aufmerksam im Gespräch. Predigt, Unterricht, Seelsorge – und offen bleiben für das, was andere einbringen. Diese Balance habe ihren Dienst geprägt.

Viele Stimmen, viele Weggefährt*innen

Besonders eindrücklich war die Reihe der Segens- und Grußworte: Pfarrerin Katharina Born als Kommilitonin aus der Studienzeit, der Offenthaler Pfarrer Marcus Losch aus der Anfangszeit des Vikariats, Andrea Gappisch aus der Nauheimer Gemeindezeit, Pfarrerin Heike Hiess aus dem Dekanat Groß-Gerau–Rüsselsheim sowie der Dreieich-Rodgauer Dekan Steffen Held assistierten bei der Entpflichtung und sprachen Birgit Schlegel persönlich Gottes Gegenwart und Geleit zu. Jede dieser Stimmen stand für eine Etappe ihres Lebens – und machte deutlich, wie weit das Netzwerk reicht, das sie in den Jahren geknüpft hat.

Der Darmstädter Dekan Raimund Wirth und Martin Franke-Coulbeaut, stellvertretender Dekan in Groß-Gerau–Rüsselsheim, dankten für „wunderbare Zusammenarbeit und fantastische Kollegialität“. Sie würdigten Birgit Schlegels „scharfen Blick“ und ihre „enorme Ehrlichkeit“, verbunden mit Humor und Zugewandtheit. Für den neuen Lebensabschnitt wünschten sie ihr „Wagemut, den Gottes Geist schenkt, mutige, ausgreifende Schritte und weite Horizonte“.

Der Dreieich-Rodgauer Dekan Steffen Held hob ihre Fachkenntnis und Empathie hervor. Sie habe Dinge nicht nur gespürt, sondern auch benennen können – „oft in leisen Tönen, die aber umso wirkmächtiger sein können“. Zugleich nannte er sie eine „streitbare Kämpferin mit Herz und Humor für Frieden, Gerechtigkeit und einen nachhaltigen Umgang mit Gottes Schöpfung“.

Dekanatspräses Dr. Michael Grevel hatte sich schon in der Begrüßung mit persönlichen Worten an die scheidende stellvertretende Dekanin gewandt. Er dankte für ihr Engagement im Dekanat und zitierte ein Psalmwort: „Du stellst meine Füße auf weiten Raum.“ Dieser weite Raum, so Grevel, liege nun vor ihr.

Mit einem flotten Ständchen zu Schlagerrhythmen machten das Team des Dekanats und die Mitarbeitenden im Gemeindepädagogischen Team aus Rex Gildos „Fiesta Mexicana“ eine „Siesta für Birgit“ und ließen mehrfach ein kräftiges „Hossa!“ durchs Kirschenschiff donnern.

Über das Dekanat hinaus engagiert

Neben ihren Leitungsaufgaben war Birgit Schlegel über Jahre intensiv im ökumenischen Dialog aktiv. Sie arbeitete unter anderem in der Kontaktkommission zur Orthodoxen Deutschen Bischofskonferenz mit und engagierte sich im Austausch mit der Rumänischen Orthodoxen Kirche. Der christliche Osten blieb und bleibt ein theologischer Schwerpunkt ihres Wirkens.

„So einfach ist das nicht“

Am Ende wurde es noch einmal persönlich. „So einfach ist das nicht, von euch wegzugehen“, sagte Birgit Schlegel in ihrem Dankeswort. Ein roter Faden ihres Weges sei immer die Vielfalt gewesen – unterschiedliche Orte, Aufgaben, Herausforderungen und vor allem Menschen. „Danke für alles, was ihr mir an Wertschätzung und Zuneigung geschenkt habt. Es war eine unglaubliche Zeit.“

Ganz ruhig wird es im Ruhestand sicher nicht. Birgit Schlegel spielt Cello, widmet sich der Goldschmiedekunst und auch der Clownerie. Auf Reisen zog und zieht es sie nach Japan und Südamerika – und vielleicht auch noch in die ein oder andere geistliche Aufgabe, damit aus dem Ruhestand eben nicht nur Ruhe und Stand werden.